Sehr erfolgreiche Zählung der Wintervögel 2021

Hessische Ergebnisse zur „Stunde der Wintervögel
 

 

Die diesjährige „Stunde der Wintervögel“, die Anfang Januar zum elften Mal stattfand, hat alle Rekorde gebrochen: Bisher (Stand Ende Januar 2021) meldeten bereits über 232921 Vogelfreundinnen und -freunde ihre Ergebnisse an den NABU. Gesichtet wurden bisher fast 5,59 Millionen Vögel in 161263 Gärten. Auf Platz eins kam unangefochten der Haussperling mit 1.112.446 Exemplaren, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling, Amsel und Blaumeise.

Während Meisen, Kleiber oder Eichelhäher angesichts des vergleichsweise milden Winterwetters lieber im Wald bleiben, wurden bei der aktuellen Zählung Haussperlinge und Rotkehlchen deutlich häufiger gezählt. Auch Ringeltauben lassen sich vermehrt blicken, da ihre Bestände zunehmen.

Die Ergebnisse
In Hessen haben über 19800 Teilnehmer:innen dem NABU über 461085 Vögel aus 14225 Gärten und Parks gemeldet. Im letzten Jahr wurden in 7480 Gärten insgesamt 277001 Vögel gezählt, daran waren 10643 Naturbegeisterte beteiligt. Auch bei uns im Landkreis wurde kräftig mit Fernglas, Vogelbestimmungsbuch und Zählbogen die Vogelwelt erforscht. Im Kreis Darmstadt-Dieburg nahmen 854 Vogelfreunde teil, die in 634 Gärten zusammen 18317 Vögel zählten, das sind 260 Gärten mehr, in denen dieses Mal Vögel beobachtet wurden. Da dieses Jahr mehr Menschen mitmachten, konnten auch 4500 Vögel mehr beobachtet werden als im Jahr 2020. 

„Die Wintervogelzählung ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und hat erfreulicherweise die bisherige Rekordteilnahme aus dem Vorjahr weit übertroffen“, so Lothar Jacob vom NABU Kreisverband Dieburg. „Wir freuen uns sehr über den Erfolg unserer Mitmachaktion. Sicherlich hat auch der derzeitige Corona-Lockdown dazu geführt, dass Menschen verstärkt ihr Interesse an der Vogelwelt vor der eigenen Haustür entdecken. Idealerweise ergibt sich daraus vielleicht auch mehr Engagement für den Vogelschutz im eigenen Garten und ein Rückgang der pflanzenlosen Beton- oder Kieselsteingärten. Den Vögeln hilft es auf jeden Fall, wenn immer mehr Menschen ihren Garten auch als Mini-Naturschutzgebiet ansehen und ihn entsprechend vogelfreundlich gestalten.“

Weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung. Die Gesamtzahl von bundesweit derzeit 34,7 Vögeln pro Garten stellt den bisher zweitniedrigsten Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 dar. Insgesamt ist das Ergebnis fast ein Spiegelbild des Winters 2017. Auch damals fehlten besonders die typischen Futterplatzbesucher, wie Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer – alles Arten deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind. Dieser ist im bis kurz vor der Zählung europaweit sehr milden Winter wohl teilweise ausgeblieben. Auch Blaumeisen wurden weniger gesichtet. Ob und wie das Blaumeisensterben aus dem Frühjahr 2020 hier Spuren hinterlassen hat, muss aber erst noch ausgewertet werden, ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Blaumeisen-Beobachtungen und der bakteriellen Erkrankung kann bisher nicht bestätigt werden. Hier wird man nach Abschluss der Aktion vor allem die besonders von der Krankheit betroffenen Regionen analysieren.

Im Gegensatz dazu haben derzeit einige sesshafte Arten und solche, die kalte Winter meiden, besonders gute Bestände in Deutschlands Gärten. Allen voran der Haussperling, der wie in allen milden Wintern auf Platz eins der Rangliste flatterte. Mit 6,83 Vögeln pro Garten erreicht er voraussichtlich ein neues Rekordergebnis. Einen neuen Rekord schafft auch die Ringeltaube, die damit sogar zum achthäufigsten Wintervogel in Deutschlands Gärten wird. Grund ist zum einen die Bestandszunahme der Art, aber auch zunehmend geringer Zugneigung dieses Teilziehers. Auch das Rotkehlchen scheint sich über den milden Winter zu freuen und erreicht sein bestes Ergebnis nach 2011.

Ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden kann, liefert leider der Grünfink, der mit nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten einen Abwärtstrend zeigt. Das bedeutet einen Rückgang um 75 Prozent. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an sommerlichen Futterstellen, aber wohl auch, dass auf landwirtschaftlichen Flächen das Nahrungsangebot für diese Art knapper geworden ist.

 


Die Rangliste im Vergleich: Übereinstimmungen der Beobachtungen bei uns im Landkreis mit der bundes- oder hessenweiten Liste sind grün hinterlegt
 

 Rangliste Hessen

Rangliste Landkreis DaDi

 Rangliste Deutschland

1

Haussperling

1

Haussperling

1

Haussperling

2

Kohlmeise

2

Kohlmeise

2

Kohlmeise

3

Amsel

3

Star

3

Feldsperling

4

Blaumeise

4

Amsel

4

Amsel

5

Feldsperling

5

Feldsperling

5

Blaumeise

6

Star

6

Blaumeise

6

Elster

7

Elster

7

Elster

7

Buchfink

8

Ringeltaube

8

Rotkehlchen

8

Ringeltaube

9

Rotkehlchen

9

Ringeltaube

9

Rotkehlchen

10

Buchfink

10

Buchfink

10

Rabenkrähe

11

Rabenkrähe

11

Stieglitz

11

Grünfink

12

Grünfink

12

Türkentaube

12

Star

13

Stieglitz

13

Rabenkrähe

13

Erlenzeisig

14

Erlenzeisig

14

Grünfink

14

Stieglitz

15

Straßentaube

15

Buntspecht

15

Buntspecht

16

Eichelhäher

16

Eichelhäher

16

Saatkrähe

20

Türkentaube

 

 

20

Türkentaube

 

 

In Deutschland kommen 21 Vogelarten mit Beständen über einer Million Brutpaare vor (Quelle: „Vögel in Deutschland –Übersichten zur Bestandssituation“, herausgegeben von DDA, BfN und den Vogelschutzwarten)