Der Biber: Ein Burgherr kommt zurück


Ein Burgherr kommt zurück, auch bei uns!
 

Der Biber breitet sich seit einigen Jahren entlang der hessischen Flüsse wieder aus und wird seit 2007 auch am Reinheimer Teich und an der Gersprenz vermehrt beobachtet. Derzeit (Stand Jan. 2017) gibt es rund 500 Tiere in Hessen (2010: 200). Auch im hessischen und bayerischen Spessart nimmt die Anzahl der Biber zu. Biberreviere findet man an Sinn, Nidda, Kinzig, Nidder, Fulda, Mümling und an der Gersprenz. Im gesamten Bundesgebiet, so schätzen die Fachleute, gibt es 20.000 bis 25.000 Biber.
Im hessischen Biberbericht des Regierungspräsidium Darmstadt sind 148 Reviere im Jahr 2015 aufgelistet (2012 waren es nur 66 Reviere mit 218 Tieren), die meisten davon - nämlich 67 -  im Main-Kinzig-Kreis. Seit 2007 gibt es auch wieder Biber in der Wetterau. Da pro Revier ca. 3,3 Tiere leben, ergibt sich eine Population von ca. 500 Bibern in Hessen. Bei uns im Kreis Darmstadt-Dieburg schätzt der Biberbeauftragte Karsten Heinrich die Zahl auf ca. 73 Biber. Zu den bestehenden Revieren ist unter anderen ein neues Revier am Erbsenbach dazu gekommen. Dort gab es im Februar 2017 etwas Aufregung, da einer der von Biber gebauten Dämme absichtlich zerstört wurden (Bild rechts). Fraßspuren zeigen, dass sich der Biber dort nicht hat vertreiben lassen, obwohl er den zerstörten Damm nicht wieder errichtet hat.

Mit bis zu einem Meter Körperlänge und einem dreißig Zentimeter langen Schwanz erreicht der Biber eine beträchtliche Größe und ein Körpergewicht von 25 bis 30 kg. Ganz typisch ist der flache Schwanz (im Bild des ausgestopften Bibers gut zu erkennen), die so genannte "Kelle", die ihn von Bisam und Nutria unterscheidet. Damit schwimmt der Biber nicht nur, sondern steuert und reguliert seine Körperwärme.

Besonders angetan zeigen sich Naturschützer von dem Biber, dem größten Nagetier Europas, als Baumeister. Der Biber gestaltet seinen Lebensraum, die Auenlandschaft, nach eigenem Geschmack. Der Biber ist ein wirkungsvoller Verbündeter im Einsatz für naturnahe Auen und durch seine Dammbauaktivitäten kehrt Dynamik in die Bachtäler zurück, die ansonsten nur mit teurem Maschineneinsatz erreicht werden kann. Viele andere Tiere und Pflanzen an Bächen und Flüssen profitieren davon, dass aus langweiligen begradigten Bächen mit Hilfe der Biber wieder verzweigte Fließgewässer werden. Der Biber benötigt Gewässer mit einer Wassertiefe von 50 bis 80 cm.

 

 

In der Vergangenheit war der Biber in Hessen ausgestorben, in großen Teilen Deutschlands fast ausgerottet. Sein Verschwinden hing mit der intensiven Bejagung zusammen, daneben galt der Biber als beliebte „Fastenspeise“, weil er aufgrund seines geschuppten Schwanzes den Fischen zugerechnet wurde. Aber auch sein dichtes Haarkleid (beim Menschen gibt es ca. 600 Haare pro Quadratzentimeter Haut, beim Biber sind es am Bauch bis zu 23 000 Haare!) bedingte, dass es ihm ans Biberfell ging. Die letzte Meldung aus Hessen stammt aus dem Jahr 1596 von der Gersprenz bei Stockstadt. In ganz Deutschland überlebten bis 1947 nur 100 Tiere an der mittleren Elbe.

Die in den letzten Jahren beobachteten Spuren in den Hergershäuser Wiesen und am Reinheimer Teich gehen vermutlich auf Nachkommen der in den Jahren 1987 und 1988 achtzehn angesiedelten Tiere im Spessart zurück. Ihre Nachkommenschaft ist bis heute auf fast etwa 200 Biber angewachsen. Dem Wiederansiedlungsprojekt im Spessart ging eine 10 Jahre dauernde Vorbereitungsphase voraus, bevor das eigentliche Wiederansiedlungsprojekt begann.
Von dort aus geht aller Wahrscheinlichkeit nach die Wiederbesiedlung auch entlang der Gersprenz aus. Hier findet er in den zurück gebildeten Auenbereichen wieder Nahrung. Er frisst mit seinen großen, durch Eiseneinlagerungen gehärteten Nagezähnen, die übrigens niemals aufhören zu wachsen, die Rinde von Bäumen und fällt sie oft auch ganz, um an die frischen Blätter und Zweige oben im Baum zu kommen. Das übrige harte Holz verwendet er zum Bauen von Staudämmen oder Burgen. Im Sommer fressen Biber auch Ufer- und Wiesenkräuter, für den Winter legen sie sich unter Wasser "Holzlager" an, denn Biber halten keinen Winterschlaf.
 
Im Winter fällen die Tiere sogar dicke Baumstämme, um dann die Baumrinde abzufressen, im Sommer finden sie ausreichend andere vegetarische Nahrung.
 
In den Jahren 2009/2010 gab es leider auch Totfunde: Insgesamt 3 tote Biber wurden gesichtet, die Todesursache war nicht eindeutig feststellbar. Es ist allerdings bekannt, dass junge und unerfahrene Biber bei Hochwasser durchaus ertrinken können.

Es gibt bereits Beobachtungen einiger Jungbiber an der Gersprenz. So scheint der Biber zumindest von einigen Bereichen der Gersprenz als Lebensraum angetan, wenn auch seit letztem Frühjahr keine Biber oder entsprechende Spuren mehr direkt am Reinheimer Teich zu sehen waren. Die Naturschützer hoffen, dass die natürliche Ausbreitung weiter vorangeht und die Jungbiber im Alter von 2 Jahren wenn sie die Eltern verlassen sich neue Reviere in unserer Region erobern.

Alles in allem ein Erfolgserlebnis für den Naturschutz, wenn nun nach mehr als 400 Jahren wieder Fraßspuren der Biber in der Gersprenzaue zwischen Hergershausen und Münster sowie bei Reinheim, Ueberau und Groß-Bieberau zu sehen sind.

Immer wieder gibt es Verwechslungen mit der sehr viel kleineren Bisamratte (Bild unten), die sehr häufig zu beobachten ist. Die Bisamratte ist eigentlich keine Ratte sondern gehört zu den Wühlmäusen, von denen sie der größte lebende Vertreter ist.  
Auch die Nutria (rechts), eine eingebürgerte Art aus Südamerika, ist gelegentlich bei uns zu sehen. Dieses mit dem Meerschweinchen verwandte Tier ist fast so groß wie der Biber und deutlich größer als die Bisamratte. Dem Nutria (auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt) fehlt aber der abgeflachte Schwanz.
 

Links sind die letzten Fraßspuren zu sehen. Hier hat der Biber Anfang 2012 einen Baum in der Nähe des Reinheimer Teiches gefällt. Auch in Groß-Zimmern in Richtung Dieburg nahe der Gersprenz-Brücke über die B26 sind im Dezember 2011 neue Spuren des Bibers entdeckt worden.

     
Blick in eine Biberburg, aufgenommen in einer für Besucher angelegten Biber-behausung im Biosphären-reservat
Flusslandschaft Elbe/Mittelelbe. Man sieht als hellen Fleck den Zugang, der zum Schutz vor Fressfeinen unter Wasser liegt.
 
   
  Im Jahr 2012 dehnte der Biber sein Revier in Richtung Groß-Zimmern aus. Vermutlich vom Reinheimer Teich aus dringt der Biber bis zum Anglerteich in Groß-Zimmern vor. Links ein angenagter Baum zwischen der Tannenmühle und der Gersprenzeinengung in Groß-Zimmern.
Dezember 2012    
Fraßspuren sieht man häufig entlang der Gersprenz, vor allem auch in dem Bereich, der 2010/2011 renaturiert wurde, bis zur Wehrbrücke zwischen Groß- und Klein-Zimmern.

Biber haben ein typisches Nagergebiss mit insgesamt 20 Zähnen.

 
  Im Ober- und Unterkiefer sitzen die kräftigen im Kiefer verankerten Schneidezähne. Sie sind wurzellos und wachsen ständig nach.
Dezember 2012, Abbiss-Spuren nahe der Wehrbrücke    
Dem aktuellen Kartierungsergebnis der Bibervorkommen in Unterfranken ist zu entnehmen, dass im Jahr 2012 insgesamt 287 Biber in Hessen kartiert wurden.

Die letzten "Fotobeweise" entstanden im April 2013. Trotz nicht so guter
Lichtverhältnisse an diesem Abend gelangen Frau Poth diese eindrucksvollen Bilder vom Biber direkt an der Naturschutzscheune.
 
 
Auf dieser Aufnahme besonders deutlich zu erkennen: Die Biberkelle, der an das Leben im Wasser angepasste Schwanz des Bibers.
 

NABU Presseinformation vom 15. September 2014: Biber an der Lahn gesichtet: In den letzten Wochen wurden dem NABU Hessen vermehrt Biber-Sichtungen an der Lahn zwischen Lahnau und Solms gemeldet. „Es handelt sich wahrscheinlich um ein vagabundierendes Männchen, das aus der Wetterau kommend die Lahn in
Augenschein nimmt“, erklärt Biber-Experte Mark Harthun. Die Biber-Sichtungen bestätigen Fraßspur-Funde aus dem Frühjahr. Die Naturschützer hatten vom Biber angefressene Weiden in der Lahnaue gefunden. Harthun hofft nun darauf, dass sich bald das erste Biberpärchen an der Lahn niederlässt.

 

Die Biber sind in den letzten Jahren dabei, mehr Gewässer für sich in Anspruch zu nehmen. Dabei zeigt es sich, dass auch kleine Bäche als Lebensraum interessant sind, zumal die Biber mit ihren "wasserbautechnischen" Fähigkeiten in der Lage sind, die Auenlandschaft in ihrem Sinne zu gestalten. Seit 2014 werden immer wieder Biberdämme im Dillsbach und im Erbsenbach errichtet. Im Erbsenbach wurde ein Biber im April 2016 sogar morgens in der Nähe des Nathan-Mattes-Weg von einem Spaziergänger gesichtet. Leider gibt es auch Unfallopfer zu beklagen, Im Frühjahr 2016 wurde ein Biber zwischen Groß- und Klein-Zimmern überfahren, ein weiteres Exemplar starb auf der B 426 zwischen Darmstadt und Nieder-Ramstadt direkt an der Modau.
 

  Bei diesem Biberdamm mit solchen Baumstämmen  muss das Tier wohl doch "Fremdhilfe" gehabt haben. (April 2016).

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